Historie des Museum gegenstandsfreier Kunst Otterndorf

Die Geschichte des Museum gegenstandsfreier Kunst beginnt Anfang der 1960er-Jahre mit einer Initiative, die in der Region einem kulturellen Aufbruch gleichkam: Der Münchner Arzt Dr. Herbert Augat eröffnete 1961 in seinem Privathaus in Otterndorf die Galerie Studio A. Mit Ausstellungen moderner Kunst – unter anderem von Hans Laabs, Fritz Winter oder Otto Herbert Hajek – schuf er einen Ort, der bewusst irritieren und Diskussionen anregen sollte. Abseits der großen Kunstzentren entstand so ein außergewöhnliches Forum für abstrakte Kunst in Norddeutschland.

Nach der Schließung der Galerie Mitte der 1960er-Jahre und dem frühen Tod Augats blieb seine Idee jedoch präsent. 1973 wurde sie durch den Fotografen Walter Steffens wieder aufgegriffen. Gemeinsam mit dem Künstler Klaus Staudt entstand das Konzept, die Ausstellungsarbeit öffentlich zugänglich zu machen und institutionell zu verankern.

1974 eröffnete im historischen Torhaus Otterndorf das studio a – dokumentation zeitgenössischer kunst in öffentlicher Trägerschaft. Mit Unterstützung des Landkreises entwickelte sich das Haus kontinuierlich weiter. Die Sammlung wuchs durch Schenkungen, Ankäufe und Leihgaben und legte früh den Fokus auf konkrete und gegenstandsfreie Kunst.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Museum schrittweise ausgebaut:
1985 zog es in die Stadtscheune Otterndorf und etablierte sich erstmals klar als Museum. In dieser Phase wurde die institutionelle Struktur weiter professionalisiert: Alf-Krister Job betreute von 1985 bis 1988 als erster hauptamtlicher Mitarbeiter des Landkreises Haus und Sammlung. Ihm folgte Dorothea Strauss, die das Museum von 1986 bis 1991 leitete.

1991 wurde die Ausstellungsfläche erweitert und um einen markanten Raum unter dem Dach ergänzt. Mit der inhaltlichen Öffnung in den späten 1990er-Jahren entwickelte sich das Haus über die konkrete Kunst hinaus zu einem Ort für gegenstandsfreie Kunst in ihrer gesamten Vielfalt.

Von 1991 bis 2024 prägte Dr. Ulrike Schick als wissenschaftliche Leiterin und Direktorin das Profil des Museums maßgeblich. Unter ihrer Leitung wurde das Haus kontinuierlich professionalisiert und inhaltlich weiterentwickelt.

Mit dem Umzug in das heutige Gebäude im Jahr 2008 erhielt das Museum erstmals Räume, die ausschließlich für die museale Nutzung konzipiert sind. Heute umfasst das Museum rund 340 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf zwei Etagen. Die klare Architektur der Räume ermöglicht die Präsentation sowohl von Malerei als auch von installativen und raumbezogenen Arbeiten und stärkt das internationale Profil des Hauses.

Heute ist das Museum gegenstandsfreier Kunst ein etablierter Ort für zeitgenössische abstrakte Kunst. Es verbindet regionale Verankerung mit internationaler Ausrichtung und knüpft dabei an die ursprüngliche Idee Herbert Augats an: Kunst als Herausforderung, als Experiment und als Einladung, Wahrnehmung immer wieder neu zu denken.

Seit 2024 wird das Museum von dem Kunsthistoriker Wilko Austermann geleitet.